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      12.6.2008  
         
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        Archäologische Kampagne 2006 in der Dorfwüstung Schmeessen und den Projekten in Nienover, Lakenteich und Winnefeld
 


Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Über tausende von Jahren hinweg war der Solling eine Region mit extensiver Wald-, Weide- und Moorwirtschaft nur spärlich besiedelt.

Überreste von Grabhügeln, Weidegebieten und vereinzelten Saisonalen Siedlungen gehen vermutlich bis ins Neolithikum (4.-3. Jahrtausend v.Chr.), sicher aber bis in die Bronzezeit (1800-800 v.Chr.) zurück. Diese für das Bergland typische Art der Besiedlung lässt sich im Solling bis in die Eisenzeit finden. Für die Zeit bis zum frühen Mittelalter haben sich dagegen bislang keine Spuren für dauerhafte Besiedlung finden lassen.

Während des 8.-9. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung im Weserbergland rapide an. In dieser Zeit wurden zahlreiche Siedlungen gegründet. Die Initiative dazu ging höchstwahrscheinlich zum großen Teil von bedeutenden Familien des sächsischen Adels, wie den Billingen und Immedingen aus.

Die Siedlung Schmeessen wurde anscheinend in spätsächsischer oder frühkarolingischer Zeit (8. Jh.) gegründet.
Ein weiterer starker Bevölkerungsanstieg im 12.-13. Jh. erforderte eine Erweiterung der Ackerflächen. Mit Hilfe technischer Innovationen wurden bislang nahezu unbewohnte Wald- und Sumpfregionen urbar gemacht, Spuren zeiträumiger Ackerflächen finden sich auch heute noch in der Umgebung der Wüstungen Schmeessen und Winnefeld. Die Grafen von Dassel, deren wichtigste Besitzungen im Solling und im Reinhardswald lagen, förderten diese Entwicklung nachdrücklich. Vor 1210 verlegten sie ihre Residenz von Dassel nach Nienover, das nur 3 und 6 km von Winnefeld bzw. Schmeessen entfernt ist. In diese Zeit datiert auch der Bau der Kirchen in beiden Orten.

Während des 14.-15. Jh. wurden fast alle Siedlungen des Sollings und auch viele Orte im Wesertal aufgegeben. Einer der Umstände, die zur teilweisen oder vollständigen Aufgabe der beiden Dörfer führte, war die Soester Fehde. In deren Verlauf wurde 1447 die Stadt Beverungen und auch Lauenförde von böhmischen Söldnern geplündert und in Brand gesteckt. Anhand der Grabungen ist es sehr wahrscheinlich, dass den Dörfern Schmeessen und Winnefeld ein gleiches Schicksal widerfuhr und diese daraufhin aufgegeben wurden. Funde an beiden Orten belegen eine Existenz der Kirchen bis ins 15. Jh.

Prof. Dr. H.-G. Stephan