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Archäologische Kampagne 2006 in der
Dorfwüstung Schmeessen und den Projekten in Nienover, Lakenteich und
Winnefeld

Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Georg Stephan,
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Über tausende von Jahren hinweg war der Solling eine Region mit extensiver
Wald-, Weide- und Moorwirtschaft nur spärlich besiedelt.
Überreste von Grabhügeln, Weidegebieten und vereinzelten Saisonalen
Siedlungen gehen vermutlich bis ins Neolithikum (4.-3. Jahrtausend v.Chr.),
sicher aber bis in die Bronzezeit (1800-800 v.Chr.) zurück. Diese für das
Bergland typische Art der Besiedlung lässt sich im Solling bis in die
Eisenzeit finden. Für die Zeit bis zum frühen Mittelalter haben sich
dagegen bislang keine Spuren für dauerhafte Besiedlung finden lassen.
Während des 8.-9. Jahrhunderts stieg die Bevölkerung im Weserbergland rapide an.
In dieser Zeit wurden zahlreiche Siedlungen gegründet. Die Initiative dazu
ging höchstwahrscheinlich zum großen Teil von bedeutenden Familien des
sächsischen Adels, wie den Billingen und Immedingen aus.
Die Siedlung Schmeessen wurde anscheinend in spätsächsischer oder
frühkarolingischer Zeit (8. Jh.) gegründet.
Ein weiterer starker Bevölkerungsanstieg im 12.-13. Jh. erforderte eine
Erweiterung der Ackerflächen. Mit Hilfe technischer Innovationen wurden
bislang nahezu unbewohnte Wald- und Sumpfregionen urbar gemacht, Spuren
zeiträumiger Ackerflächen finden sich auch heute noch in der Umgebung der
Wüstungen Schmeessen und Winnefeld. Die Grafen von Dassel, deren wichtigste
Besitzungen im Solling und im Reinhardswald lagen, förderten diese
Entwicklung nachdrücklich. Vor 1210 verlegten sie ihre Residenz von Dassel
nach Nienover, das nur 3 und 6 km von Winnefeld bzw. Schmeessen entfernt
ist. In diese Zeit datiert auch der Bau der Kirchen in beiden Orten.
Während des 14.-15. Jh. wurden fast alle Siedlungen des Sollings und auch
viele Orte im Wesertal aufgegeben. Einer der Umstände, die zur teilweisen
oder vollständigen Aufgabe der beiden Dörfer führte, war die Soester
Fehde. In deren Verlauf wurde 1447 die Stadt Beverungen und auch
Lauenförde von böhmischen Söldnern geplündert und in Brand gesteckt.
Anhand der Grabungen ist es sehr wahrscheinlich, dass den Dörfern
Schmeessen und Winnefeld ein gleiches Schicksal widerfuhr und diese
daraufhin aufgegeben wurden. Funde an beiden Orten belegen eine Existenz
der Kirchen bis ins 15. Jh.
Prof. Dr. H.-G. Stephan
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